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    Die gläserne Gesellschaft

    Von CONTRACOMA | 7.Dezember 2009

    via Politeia von corrrdoba

    …oder warum sich die Wenigsten gegen den Überwachungsstaat wehren

    Beim Studieren diverser Webseiten und Blogs der alternativen Medien fällt vor allem die konsequente Linie gegen Überwachung der Bürger seitens des Staates oder der Konzerne ins Auge. Auch wir von POLITEIA unterstützen Bewegungen wie den AK Vorratsdatenspeicherung oder die Piratenpartei. Die Bemühungen gegen den Überwachungsstaat und gläserne Arbeitnehmer vorzugehen sind lobenswert und angesichts einer fast nicht vorhandenen Opposition in der Öffentlichkeit absolut notwendig. Allerdings wird bei dieser Kritik an Staat und Unternehmen nur all zu schnell vergessen, dass wir schon längst in einer Gesellschaft leben, in der sich Menschen nicht scheuen intimste Details für die Weltöffentlichkeit zugängig zu machen.

    Wir alle wissen, dass Google unsere Suchanfragen speichert. Wir stören uns nicht daran, personalisierte Werbung zu erhalten. Wir bestellen bei Amazon und bekommen beim nächsten Log-in Produkte vorgestellt, die unseren persönlichen Geschmack entsprechen. Wir erstellen Profile bei StudiVZ oder Facebook, in denen wir unsere Persönlichkeit entblößen, inklusive Fotos von Partys oder Urlauben. Wir dokumentieren per Twitter oder Buschfunk, wie wir uns gerade fühlen oder an was wir gerade denken. Wir schauen uns auf Google Earth die Häuser unserer Freunde an und denken dabei natürlich nicht an militärische Satelliten, die noch viel genauer und in Echtzeit auf uns herabblicken. Ja selbst bei Youtube werden Videos ganz nach unseren Geschmack empfohlen. Und abends läuft in der Glotze Big Bother.

    Wir fühlen uns anonym vor dem PC obwohl wir doch insgeheim wissen, dass dieses Gefühl eine Illusion ist. Wir sind nicht anonym. Wer wirklich will, kann alles über uns herausfinden. Unsere Gesellschaft ist in den letzten Jahren mit voller Begeisterung in das Aquarium namens Internet gesprungen ohne auch nur einen Gedanken an etwaige Konsequenzen zu verschwenden. Denn einen Menschen gut zu kennen, bedeutet immer auch eine gewisse Macht über ihn zu besitzen. Gute Freunde wissen einiges über mich, wie auch ich einiges über sie weiß- das ist nicht schlimm, solange in dieser Beziehung das Vertrauen nicht ausgenutzt wird. Das Problem bei der Selbstdarstellung im Internet, beziehungsweise der Dokumentation unseres Verhaltens im Netz, ist einfach, dass wir es hier nicht mit guten Freunden zu tun haben. Im besten Falle interessiert sich niemand für mich. Im schlechtesten Falle tut das jemand und sucht nach Schwachstellen, die wir als Menschen zweifelsohne alle haben. Ob, wann und aus welchem Grund das geschieht ist eigentlich zweitrangig. Viel wichtiger ist es zu erkennen, dass wir uns langsam aber sicher daran gewöhnt haben unsere Persönlichkeit im Web preiszugeben und das mit einem blinden Vertrauen in diejenigen, die diese Daten speichern.

    Die Frage lautet: Kann sich eine solche Gesellschaft überhaupt ernsthaft gegen den Überwachungsstaat wehren? Warum sollte sie, wenn sie doch den Exhibitionismus zelebriert und die Annehmlichkeiten der „persönlichen Note“ bei Dienstleistern im Netz genießt? Wenn sie der Meinung ist, dass „man ja eh nichts zu verbergen habe“? Wenn das alltägliche Leben unmittelbar verknüpft ist mit dem digitalen Selbst. Wenn Überwachung schon längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, die niemanden wirklich stört oder gar als notwendig empfunden wird. Wenn man gerne für die Sicherheit den Hampelmann macht vor dem Einstieg ins Flugzeug. Natürlich sind diese Fragen rhetorischer Art, denn diese Gesellschaft kann sich nicht wehren, weil sie überhaupt nicht will.

    Diejenigen, die sich tatsächlich gegen den Überwachungsstaat stellen, z.B. in der Piratenpartei, können nicht auf große Resonanz hoffen. Vielmehr haben sie zunächst die Aufgabe, ein anderes Bewusstsein für Zustände zu schaffen, die von der Mehrheit als völlig normal empfunden werden. Wir leben in einer Zeit, in der Privatsphäre ein sehr dehnbarer Begriff geworden ist, die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem immer mehr verwischt und staatliche Maßnahmen wie die Vorratsdatenspeicherung oder öffentliche Videoüberwachung harmlos anmuten.

    Die Wahrheit ist: Big Brother wird uns nicht aufgezwungen, sondern wir empfangen ihn mit offenen Armen und rufen laut „Hurra!“. Natürlich wird währenddessen noch über so Sachen wie die böse Stasi gesprochen. Denn „damals“ (so lange ist es ja noch nicht her) war ja alles schlimm. Heute ist es tatsächlich ganz anders- im negativen Sinne. Das was heutzutage an persönlichen Informationen über viele von uns bekannt ist konnte die Stasi beim besten Willen nicht herausfinden, geschweige denn dass sie es ungefragt präsentiert bekommen hätte. Wir lieben den Persönlichkeitsstrip ungefähr so wie wir Fast Food lieben- man weiß es ist ungesund aber isst es trotzdem. Die Bequemlichkeit verleitet uns den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen und den verlockenden Angeboten blind zu vertrauen. Dabei haben wir vergessen was es heißt, sich anderen- im Falle des Internets der Welt- preiszugeben. In dieser Gesellschaft ist der totale/ globale Überwachungsstaat nicht nur eine Frage der Zeit- in weiten Teilen ist er bereits Realität.

    Dazu hier eine gute Dokumentation:

    Teil 2

    Ebenfalls ein guter Beitrag:

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